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Allerheiligen und Allerseelen
Der eigentlich bedeutsame Tag dieses Festes war der Allerseelentag. An Allerheiligen schmückte man die Gräber der Familie und betete mehrere Seelenrosenkränze für die aus dem Hof verstorbenen armen Seelen. Am Abend besuchten die Gläubigen den Gottesdienst und opferten die Sealazöpflin und den Sealnapf mit Mehl. Diese Gaben durfte der Mesner mit heimnehmen.
Die Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen war im Volksglauben eine Freinacht für die Waldgeister. Ihr Spuk und unheimliches Treiben in dieser Nacht waren überall gefürchtet. Am nächsten Tag enthielten sich alle Dorfbewohner der Arbeit, jedes laute Lachen und Reden unterblieb. Man wollte die armen Seelen nicht bei ihrer Suche nach dem Frieden stören. Die Brösel vom Mittagstisch wurden ihnen als Nahrung in das Herdfeuer geworfen. Den Armen im Dorf gab die Bäuerin den Sealawegga, weil sie meinte, damit auch etwas für ihre verstorbenen Angehörigen zu tun. Abends fanden sich die Hausbewohner wieder zusammen, beteten einige Seelenrosenkränze, die Allerheiligenlitanei und eine Reihe von Vaterunsern für die armen Seelen.
Die Blumen, mit denen die Gräber das ganze Jahr geschmückt waren, mussten oft gegossen werden, damit sie schön aussahen. Manche Angehörige nahmen dazu einfach das im Voarzoacha bereitstehende Weihwasser her. Einem Mesner passte dies nicht, und er überwachte den Gottesacker ein wenig. Er musste gar nicht lange warten, da sah er, wie ein älteres Fräulein, die Botenurschel, mit einem Kübel voll Weichbrunna über den Friedhof harpfde. Der Mesner rief sie laut an. Da packte die Urschl den Kübel, schüttete das Weihwasser in Strömen nach links und rechts auf die Gräber und schrie dazu: “Drinkts, drinkts, ejs armi Seala, o wenn’s enk der geizi Mejsmer idd vargundd.”
Quelle: Wölzmüller, Martin: Der Lechrainer und seine Sprache. Landschaft, Brauchtum, Mundart. Landsberg am Lech 1992.
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